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1Edition
Übergangslos /
von Tobias Hafner (2008)
80 x 120 cm / 54 x 80 cm

Der Titel des Bildes lässt keinen Zweifel daran aufkommen, welcher fotografischen Provenienz das Bild ist. Es zeigt uns eine übergangslose Welt, in der allein die neun gestaffelt stehenden Pferde eine Landschaft, einen Raum im Blick des Betrachters erahnen lassen. Um was für einen Raum oder eine Landschaft handelt es sich? Eine Schneelandschaft? Eine im Frühnebel liegende Winterkoppel?
Interessant ist, dass es im eigentlichen Sinn der Natur gar keine Landschaften gibt auf dieser Welt. Erst der Mensch oder die menschliche Wahrnehmung lassen überall und beliebig viele Landschaften entstehen. Räumliche Bezugspunkte werden erstellt, Feldbegrenzungen oder Waldsäume führen in die Tiefe des Raumes, ein Horizont begrenzt die unendliche Ferne – in Wahrheit aber ist alles eine Fläche ohne Anfang und Ende. Genauer gesagt sogar eine Kugelfläche.
Insofern ist der Bildtitel irreführend. Denn was das Bild zeigt, ist ja nicht die Übergangslosigkeit der Welt, sondern ein Ausschnitt von ihr, es zeigt einen Bildraum, der selbst Übergang ist. Und es sind insbesondere die Pferde, die diese Übergangslosigkeit kontern. Sie stellen die Übergangslosigkeit quasi vom Kopf auf den Fuß. Sie sind dialektische Antreiber einer völlig ins Weiße und Nebelige versunkenen Welt, die darauf wartet, von unseren Vorstellungen durchschritten zu werden.
Der Reiz könnte darin bestehen, sich das Davor und Dahinter dieses überganglosen Überganges vorzustellen. Was liegt jenseits des Weißen? Woher kommen die Pferde, wohin wollen sie? Oder ist es gar ihr Schicksal, auf ewig auf dieser Koppel ohne Vor und Dahinter zu stehen? Eine Koppel wie ein Etwas mitten im Nichts? Aber genau das will das Bild ja – dass wir uns des Sinnes von Grenzen und Grenzenlosigkeit vergewissern, wenngleich unsere Vorstellungen schnell abirren im Raum und in der Weite der Möglichkeiten.
Der griechische Philosoph Heraklit sagte einmal: „Nichts ist ohne sein Gegenteil denkbar“. Gilt der Satz aber auch für das Sehen?
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