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1Edition
Lichterwald 1 (Triptychon) /
von Betina Kuntzsch (2009)
60 x 35 /66 /65 cm / 40 x 22 /44 /44 cm

Als der Berliner Bildhauer und Fotograf Karl Blossfeldt 1928 den inspirierenden Bildband „
Urformen der Kunst“ veröffentlichte, wurde er mit einem Schlag berühmt. Die faszinierenden fotografischen Pflanzenstudien, die der Band versammelte, schrieben sich unmittelbar ins kulturelle Gedächtnis. Die in dem Band aufgeführten Pflanzen zeigten die Ähnlichkeiten von natürlichen Pflanzenformen von klassischen Urformen der Kunst und Architektur. Die zeitlosen Bilder, deren Schönheit nicht zuletzt von der Eindringlichkeit eines vermeintlich Ungesehenen herrührte, begeisterten und begeistern noch heute das Publikum.
Die Berliner Künstlerin Betina Kuntzsch scheint auf das Blossfeldtsche Ähnlichkeitsprinzip anzuspielen und es sogleich in eine neue fotografische Richtung zu treiben. Ihre Diptychen „
Lichterwald 1“ und „
Lichterwald 2“ gleichen Naturstudien, sie sind aber reine Lichtbilder. Zwar meint man, vom Blitz angestrahlte Pflanzen zu sehen, doch besitzen diese Pflanzen keinerlei Materialität. Das visuell betörende und Funken sprühende Schauspiel am winterlichen Nachthimmel, das der Künstlerin als Licht-Ausgangsmaterial für ihre Bilder dient, lässt allerhand Deutungen und Interpretation zu.
Was immer der fotografische Referent in diesen Bildern sein mag, ein Ähnlichkeitselement scheint alle denkbaren Deutungen miteinander zu verbinden. Die Vorstellung etwa, dass Makro- und Mikrokosmos in den Bildern gar nicht getrennt sind, sondern in eins fallen, führt das Ähnlichkeitsprinzip sogar an einen prekären Ursprung zurück. Pflanzenreich oder Milchstraße? Im Urknall ist alles gleich! Ausnahmsweise und in diesem besonderen Fall der vergleichenden Kunst, ist es mehr als legitim, das künstliche Paradies eines Lichtwalds als das zu verstehen, was er gar nicht ist. Kunst oder Natur? Das mag der Betrachter für sich selbst entscheiden.
1EDITION Urban Art OHG
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