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1Edition
Nächtliche Szene am grossen Fluss /
von Fred McFar (2007)
75 x 69 cm / 50 x 47 cm

Was der Betrachter nicht sieht: Das Foto wurde nachts aufgenommen. Es ist eine Langzeitbelichtung. Die Bäume am Ufer wiegen sich im Wind und erzeugen verwirrende Unschärfen. Davor fließt das Wasser zu einer weichen und gleichmäßigen Flusslandschaft zusammen.
Motiv und formaler Aufbau des Bildes sind typisch für das Genre der Landschaftsmalerei. Doch die Art und Weise der bildlichen Herstellung nicht. So zitiert Fotograf Fred McFar einerseits die Kunstgeschichte, anderseits spielt er bewusst mit den Eigenschaften des Mediums der Fotografie. Er verwendet die analoge Fotografie sowohl als technisches, als auch als ein Bedeutung stiftendes Darstellungsmittel.
Mit Hilfe seiner Hasselblad schafft er eine neue Sichtbarkeit der Dinge. Denn erst die Summe aller fotografischen Spuren auf dem lichtempfindlichen Bildträger erzeugt das Bild, so wie wir es sehen. Im Grunde sind es unendlich viele Bildphasen, die übereinander liegen und dieses eine Bild, so wie wir es sehen, ergeben. Das Vergehen der Zeit wird zum formalen und inhaltlichen Bestandteil des Entstehungsprozesses selbst.
In diesem Punkt unterscheidet sich die Fotografie insbesondere von der Malerei. Denn in der Fotografie wird in der Regel ein kurzweiliger Augenblick der Zeit in ein lichtbildnerisches Spaltprodukt transformiert. Es ist ein harter Zeitschnitt, der als dauerhafte Sichtbarkeitsspur der Dinge ins Bild tritt. Die Malerei könnte die Stimmung der Flussszene ebenso darstellen - als eine ausgesuchte Begebenheit eines mehr oder weniger bestimmten Augenblicks der Natur - doch würde dem Bild dann die wahrhaftige, natürliche Licht-Patina der Nacht und jene gesammelte Mondhelle fehlen, die dem Foto erst zu seiner besonderen Anmutung verhelfen.
So stellt das Foto die natürlichen Verhältnisse auf den Kopf. Denn das, was auf dem Bild zu sehen ist, ist
in natura so gar nicht zu sehen. Die Fotografie operiert hier einmal mehr als optisches Sammelbecken für einen bestimmten Zeitschnitt und verhilft der Natur zu einer Sichtbarkeit, die für das menschliche Auge in der Nacht so gar nicht existiert.
Umso erstaunlicher das Ergebnis.
1EDITION Urban Art OHG
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